Groove im Chor – Tangermünde klingt nach
Wenn der Weg einfach weiter führt, als man denkt.
Für ein Wochenende ging es für uns nach Tangermünde. Eingeladen hatte uns Susanna Kramarz – eine Freundin, die wir während unserer Chorleiterausbildung kennenlernen durften. Sie hat gemeinsam mit ihrem Chor Here2Jazz sowie mit Tanja Pannier und Matthias Knoche von Klangbezirk den Workshop in Tangermünde ins Leben gerufen, der sich ganz dem Thema „Groove im Chor“ widmete.
Schon die Anreise war wie ein kleiner Perspektivwechsel. Raus aus dem gewohnten Probenraum, hinein in eine neue Stadt, neue Stimmen, neue Energie. Tangermünde mit seiner historischen Kulisse bot den Rahmen – aber das eigentliche Fundament waren die Menschen.
Wie so oft bei intensiven Workshops waren es zwei Tage, die sich gleichzeitig kurz und unglaublich dicht anfühlten. Wir haben gearbeitet, ausprobiert, verworfen, neu angesetzt, gelacht, konzentriert geschwiegen – und ganz nebenbei mehrere Stücke für das Workshop-Konzert am Samstagabend einstudiert.
Die Atmosphäre im Here2Jazz-Chor war dabei etwas Besonderes. Warmherzig, offen, aufmerksam. Wir wurden vom ersten Moment an aufgenommen, als gehörten wir dazu. Egal ob jung oder alt, Bass oder Sopran, Geige oder Schlagzeug – überall spürten wir diese Bereitschaft, gemeinsam Klang entstehen zu lassen. Und ohne Susannas scheinbar unerschütterliche Organisationskraft sowie die vielen helfenden Hände im Hintergrund wären diese Tage kaum so rund geworden.
Was nehmen wir mit?
Vor allem neue Impulse.
Vocal Painting und Improvisation
Beim Vocal Painting geht es darum, Musik spontan im Raum entstehen zu lassen. Mit klaren Zeichen und Gesten werden Klangflächen, Rhythmen, Silben oder Bewegungen initiiert – und der Chor reagiert unmittelbar. Es ist wie ein Gespräch ohne Worte, bei dem Musik in Echtzeit komponiert wird. Für uns war das eine eindrückliche Erfahrung: loslassen, zuhören, reagieren. Vertrauen in den Moment entwickeln. Genau dieses Prinzip – aufmerksam sein und gemeinsam gestalten – möchten wir auch in unsere Probenarbeit einfließen lassen.
Stimmbildung speziell für Jazz- und Popgesang
Anderer Klang, andere Körperlichkeit. Wir haben intensiv an Vokalfärbungen, rhythmischer Präzision und der Flexibilität der Stimme gearbeitet. Wie erzeugt man Groove? Wie bleibt der Klang leicht und beweglich, ohne an Substanz zu verlieren? Einige dieser Übungen haben bereits den Weg in unsere 18-Uhr-Einheiten gefunden.
Noch mehr Rhythmusgefühl
Groove entsteht nicht durch Zählen allein, sondern durch gemeinsames inneres Pulsieren. Schwingung, Offbeats, bewusste Betonungen – vieles davon war nicht neu, aber neu erlebt. Und genau darin liegt der Unterschied, wir sind uns dessen wieder bewusst.
Neue Einsingübungen
Natürlich haben wir auch praktisches Handwerkszeug mitgebracht. Kleine, aber wirkungsvolle Übungen, die Atem, Präsenz und rhythmische Klarheit verbinden.
Und dann gab es noch etwas, das man nicht in Noten fassen kann:
Das warme Gefühl, wunderbare Menschen kennengelernt zu haben – aus Tangermünde, der Umgebung und von noch weiter her. Menschen, mit denen man sofort ins Gespräch kommt, mit denen man musiziert, lacht und merkt: Musik verbindet wirklich. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.
Zum Abschluss durften wir sogar eine Einladung zu einem Konzert am 4. Advent nach Eichstedt mitnehmen – eine schöne Perspektive für weitere Begegnungen. Danke an Johanne Fischer vom Eichstedter Chor für die Einladung, wir sind gerne dabei.
Solche Wochenenden erinnern uns daran, warum wir Chorleitung lieben: weil wir nie fertig sind, sondern immer weiter lernen dürfen. Und weil jede neue Begegnung unseren eigenen Chor ein Stück weiter in Bewegung bringt.
Ein großes Dankeschön an Susanna, Here2Jazz, Tanja, Matthias und alle Beteiligten für diese intensive, inspirierende und herzliche Zeit.
Tangermünde klingt nach.
