Deine Stimme klingt nach

Deine Stimme klingt nach

Gedanken nach dem Black Forest Voices Festival 2026

Lotte, Kathi, Gundi, Joachim und ich saßen voller Vorfreude im Zug nach Kirchzarten. Drei Tage Black Forest Voices lagen vor uns und wir wussten noch nicht, wie viele Begegnungen, Gespräche und musikalische Überraschungen uns erwarten würden.

Das Black Forest Voices Festival dreht sich um (meist) a capella Gesang. Chöre, Ensembles, Coaches und Stars der Szene treffen hier auf einander. Es ist ein offener Raum der Begegnung. Es gibt Workshops, open Singing und spontane Sessions mitten in der Stadt und auf der Festivalwiese trinkst Du einfach ein Bier mit den Künstlern und Stars.

Ich sitze in einem Workshop zum Einsingen. Neben mir sitzt jemand, der seit Jahren auf Bühnen steht und Hallen füllt und auf der anderen Seite jemand, der einfach gern singt. Nach zwei Minuten spielt das keine Rolle mehr. Wir machen dieselben Übungen und lachen über dieselben Fehler und diskutieren über dieselben Fragen. Keine Profis und Amateure, nur Menschen, die ihre Stimme besser kennenlernen wollen.

Die A-cappella-Szene ist wie eine große Familie. Es gibt keinen VIP Bereich und nichts ist für Stars abgezäunt. Im Gegenteil, die stehen genauso am Eis-Stand an wie Du. Hier können Menschen einfach mit Menschen sein. Und Musik ist genau das für mich. Ich liebe es, mit anderen Menschen in Schwingung zu kommen und aus dem gemeinsamen Erleben Resonanz zu erzeugen.

Den ersten Abend wurden wir von Regen und Wolken begrüßt und im Anschluss von diesem bombastischen Regenbogen – ich wollte kurz noch zu dem Gnom gehen und seinen Goldtopf bewundern, doch leider lag es nicht auf dem Weg zum Festivalgelände.

Natürlich ist ein Regenbogen nur Wetter. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, etwas in Menschen auszulösen. Er steht für etwas. Vielfalt. Und im Chorgesang kann ich das auch immer wieder erleben. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Stimmen und ein gemeinsamer Klang.

In Einem Konzert sang ein Chor ein Arrangement von „The Daughters“ von Little Big Town. Es handelt im Kern davon, welche Erwartungen Mädchen mitgegeben werden. Sei höflich. Sei schön. Sei angepasst. Träume für andere, aber nicht zu sehr für Dich selbst. Die zentrale Zeile sagt: Es gibt einen Gott Vater und einen Sohn aber wo ist der „God for the daughters“ .

Es gab die schnellsten Standing Ovations nach dem Lied auf dem Ganzen Festival und mir fiel wieder die Leselust ein, die wir vor kurzem hatten, wo es in dem Buch Nemesis Töchter um ähnliche Themen geht. Und da gerät was bei mir in Schwingung.

Während an vielen Stellen wieder lauter darüber gesprochen wird, wer dazugehören darf und wer nicht, habe ich in Kirchzarten etwas anderes erlebt. Denn auch hier – wie bei der re:publica haben Menschen mit Menschen gesprochen. Vielfalt und Toleranz haben hier den Raum, den sie verdienen. Amateure und Profis, Jung und Alt, alle Kulturen und Lebensentwürfe. Es geht darum, dass Deine Stimme ihren Platz bekommt. Und wo? Na in einem Chor natürlich! 🤩

Chöre sind wichtig. Sie erzeugen Gemeinschaft, das Gefühl der Zugehörigkeit und Resonanz.
Mit einem Chor überträgst Du wichtige Botschaften in Musik verpackt und erzeugst Emotionen in den Ohren der Zuhörer. Das ist etwas bleibendes und macht die Welt ein bisschen besser.

Deine Stimme ist etwas wichtiges. Sie klingt nach.

Zum Beispiel in unseren Töchtern; in den Menschen, die wir lieben. Was möchten wir zum Nachklingen bringen? Das ist für mich eine der großen Fragen.

Wer darf ich sein?

Was sind die Botschaften, die ich aussende?
Welche Geschichten geben wir Kindern mit?
Welche Stimmen tragen Mädchen ihr Leben lang in sich?

Black Forest Voices fragt:

Traust Du Dich, Deine eigene Stimme hörbar zu machen?

Genau das frage ich Dich auch. Wann sehe ich Dich in einer unserer nächsten Chorproben?

Ich habe Menschen aus Berlin, Hamburg, Dänemark und London in Kirchzarten getroffen. Die sind hunderte Kilometer weit gereist um dabei zu sein und zu lernen, wie man seine Stimme besser erklingen lassen kann. Um zu erfahren, wie man Teil von etwas Größerem werden kann. Viele Ideen, Übungen und musikalische Impulse reisen nun mit uns zurück nach Falkensee. Einige davon werden schon bald in den Ohrenweide-Proben auftauchen.

So können auch wir neue Geschichten schreiben. Die guten Geschichten dieser Zeit. Geschichten zum Nachdenken, zur Orientierung oder einfach für das gute Gefühl danach.

Deine Stimme klingt nach.

In Deinen Kindern.
In Deinen Freunden.
In Deinem Umfeld.

Deshalb lohnt es sich, auf die Geschichten zu achten, die wir erzählen.

Sie werden irgendwann zu dem Menschen, der wir werden.

isso.

p.s. Kommst Du das nächste Mal mit?

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